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Pressestimmen
Kiran Nagarkar - Sieben mal sechs ist dreiundvierzig
Ein Geniestreich
Drastisch geht es zu, grausam und witzig ... Der Mann, der Nagarkars Universum mit seinen Gefühlen auskleidet, heißt Kushank, ist ein etwa 30-jähriger Schriftsteller aus armen Verhältnissen, hofft auf den Durchbruch und treibt querbeet durchs Leben. Durch sein eigenes und das der anderen. Er beobachtet Bettler, geht ins Kino, schnorrt sich bei Freunden durch und mäandert durch verschiedene Liebesgeschichten ... Als »Sieben mal sechs« 1974 erschien, löste es ein Erdbeben aus, derart avantgardistisch, drastisch, rasant hatte niemand zuvor zu schreiben gewagt ... Meisterhaft geben die Übersetzer Ditte und Giovanni Bandini die verschiedenen Tonlagen und Sprachtempi wieder, die herrlichen Schimpftiraden, die nächtlichen Monologe Kushanks, der oft lyrisch verknappt spricht, ohne dabei je romantisch zu glotzen. »Das Meer ist heute so wunderbar friedlich. Sechs Fuß unter mir. Leckt an der Mauer. Vollendete Körperbeherrschung. Ein ungeheurer schwarzer Moby Dick. Zeigt seine Präsenz in jeder Muskelfaser. Ein uferloser Moby Dick führt seine gigantische Arroganz rund um die Welt spazieren.« Was für ein herrliches Bild, die ölig glänzende Oberfläche des Wassers als Haut eines dunklen Tieres ... Beim Zuschlagen des Buches war da eine Trauer - warum nur musste Nagarkar zwanzig Jahre lang schweigen.
Alex Rühle, Süddeutsche Zeitung
»Sieben mal sechs ist dreiundvierzig« ist eine so wütende wie witzige Abrechnung mit Armut, mit scheiternder Liebe und der überwältigenden Indifferenz irdischer wie himmlisch höherer Instanzen ... schenkt man der Sprache des Romans Gehör, dann wird man in diesem Erstlingswerk Sensibilität und Humor, eine proteische Phantasie und eine differenzierte, flexible literarische Stimme finden.
Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung, www.nzz.ch
Eine grandiose Reise durch ein Land von Liebe und Schmerz
Nagarkar breitet die Erlebnisse des etwa dreißigjährigen Kushank aus, der in Bombay lebt, der armen indischen Mittelschicht entstammt und Schriftsteller sein möchte, mit geringem Erfolg allerdings, so dass er seinen Lebensunterhalt mehr bei Freunden und Bekannten zusammenschnorrt als verdient. Drastisch geht es dabei zu und oft brutal. Gleich zu Beginn des Romans verbrennt sich eine Frau, die die Schläge und Vergewaltigungen ihres Mannes nicht mehr aushält ... wie nebenher tauchen Berichte von sexuellem Missbrauch, von Armut, Lieblosigkeit und jammervollem Tod auf, den prägenden Konstanten von Kushanks Lebenswelt. Elendsprosa ist der Roman dennoch nicht, zumindest nicht in erster Linie, und dies liegt an seiner unerhörten Lakonie und Komik ...
»Demütigungen«, heißt es einmal »blinder oder ›aufgeklärter‹ Glaube, Hokuspokus, schwarzgebrannter Fusel, Schmiergelder, Korruption, Schmutz, totale Resignation und Tod − lauter Dinge, die der Inder an sich in schier unvorstellbaren Mangen verträgt.« ... Man verträgt es nicht nur, man lebt sogar dennoch mit Hoffnungen und Freude. Entsprechend ist die Liebe, allem Jammer zum Trotz, das Hauptthema des Romans ... Kushanks große Liebe ist eine rätselhafte Frau, die ihn vor Jahren verlassen hat und heute in Amerika lebt. Sie schrieb ihm einmal einen wunderschönen Liebesbrief, während er ihr uferlose, überbordende Episteln sandte, die von allem handelten, nur nicht von ihm und ihnen beiden. Nun, Jahre nach ihrem Abschied, viel zu spät also, repliziert er mit seinem wuchernden Liebesbrief − denn nichts anderes ist der Roman ...
Tilmann Lahme, Frankfurter Allgemeine Zeitung, www.faz.net
... nun gibt es Kiran Nagarkars wieder ausgegrabenen grandiosen Debütroman auf Deutsch - unter dem Titel »Sieben mal sechs ist dreiundvierzig«. Die Qualität dieses Autors, sein erzählerischer Atem, die Raffinesse seiner Dramaturgie, die Nachdrücklichkeit, mit der er den Finger in die Wunden gravierender sozialer Missstände legt, - alles ist schon in diesem Erstling ausgereift vorhanden.
Inge Zenker-Baltes, Radio Bremen


