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Pressestimmen
Ivan Vladislavic - Johannesburg. Insel aus Zufall
Ivan Vladislavic hat ein behutsames, liebevolles, aufrichtiges und sogar heiteres Porträtbuch über das unwirtliche Johannesburg geschrieben. Es heißt "Insel aus Zufalls" und schlägt ein paar unerwartete Schneisen durch die Metropole, oder meistens nur durch das Viertel, in dem der Autor lebt. Das Buch war, wie Vladislavic erklärt und wie es dem Titel entspricht, in dieser Form nie geplant. Für die thematischen Zyklen bot sich dieser und jener Anlass, ein Katalogtext zu einer Fotoausstellung oder eine Recherche über Post-Apartheid-Architektur, aber nun ist das Ganze zu einem Buch vereint, das gerade dank seiner Multi-Perspektivik vollends organisch und zusammenhängend wirkt. Eigentlich, denkt man, sollte man nur so und nie anders über Städte schreiben ... Man sollte dieses Buch unbedingt lesen, und wenn man es gelesen hat, verspürt man Lust, nach Johannesburg zu fahren, auf die Insel des Zufalls.
Christoph Bartmann, Süddeutsche Zeitung
Schwarz und weiß gibt noch keinen Regenbogen
»Versuchen Sie einmal, aus Johannesburg und Soweto eine Stadt zu machen: Das ist so gut wie unmöglich. Die Wohnbereiche der Schwarzen und der Weissen sind ja nicht einmal benachbart, sie liegen 20 Kilometer voneinander entfernt. Und dieses Muster findet sich überall. Es gibt eine weisse Stadt mit kompletter Infrastruktur und allem Drum und Dran, und irgendwo dort draussen leben die Schwarzen. Diese Trennung des physischen Lebensraums - das lässt sich wohl nie wieder ganz rückgängig machen.«
So äusserte sich der südafrikanische Schriftsteller Ivan Vladislavić vor 10 Jahren in einem Interview gegenüber der NZZ. Trotz seinem damals noch schmalen Œuvre war der Autor bereits durch die surreale Sprengkraft seiner Texte aufgefallen, welche die Missstände des Apartheidsystems sozusagen schräg von der Flanke her angriffen und damit - wie das Frühwerk des Nobelpreisträgers J. M. Coetzee - einen gewissen Kontrast zum Mainstream der damaligen südafrikanischen Literatur setzten. Inzwischen ist Vladislavić zum Chronisten genau jenes Wandels geworden, den er im Interview noch in Zweifel zog; und der A1 Verlag legt nun die in Südafrika preisgekrönte Textsammlung »Portrait with Keys« in einem bestechend schönen Band vor. Verdiente Ehre für ein Buch, das geistreich, schonungslos und einfühlsam von einer Gesellschaft spricht, die nach der Auflösung der Rassengrenzen in eine unwegsame und gelegentlich sinistre Grauzone eingetreten ist - und die sich wohl in absehbarer Zukunft nicht in die einst von Desmond Tutu beschworene »Regenbogen-Nation« wandeln wird ...
Ivan Vladislavić ist ein derart genauer und kluger Beobachter, dass er sich selbst auf dem verminten Terrain des einstigen Apartheidstaats nicht in politisch korrekte Verbrämungen flüchten muss. Achtsamkeit – auch das lernt, wer an seiner Seite durch Johannesburg streift – ist der erste Schritt zur Achtung vor dem Anderen.
Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung, www.nzz.ch
Mit viel Humor und Selbstironie, einem scharfen Blick für Atmosphärisches, schildert der Autor den konkreten Alltag in Johannesburg mit seinen kleinen und großen Veränderungen ... Erstaunlich ist, wie der Autor beunruhigende Entwicklungen mit einer Art heiterer Gelassenheit und wachem Sinn für Absonderlichkeiten, für absurde Details beschreibt. Man ist eher amüsiert denn schockiert. Und ganz beiläufig entsteht so ein Bild südafrikanischen Wandels, einer Stadt im Umbruch, der bei aller Bedrohlichkeit die ganze Liebe des Autors gilt ... Wer das heutige Südafrika verstehen will, der sollte zu Ivan Vladislavićs Geschichten aus Johannesburg greifen.
Johannes Kaiser, Deutschlandradio Kultur
Ivan Vladislavics wundervolles Porträt von Johannesburg
... In seinem preisgekrönten Buch »Johannesburg. Insel aus Zufall« thematisiert der südafrikanische Autor Ivan Vladislavić diesen Umbruch. In 138 Vignetten skizziert der in Johannesburg lebende Vladislavic einen nach den Jahren der Apartheid zwangsläufigen Wandel ohne Grenzen, in einem »Ort, an dem Grenzen beständig in Frage gestellt werden.« Er erzählt, was es bedeutet, wenn die eigene Heimat vor der eigenen Haustür und manchmal sogar im eigenen Haus abhanden kommt ...
Er kehrt immer wieder an Orte zurück, zu Menschen und Gebäuden, portraitiert sie schnappschussartig aus immer neuen Blickwinkeln, zu unterschiedlichsten Momenten und erzeugt damit eine morbide Spannung ... Zärtlich ironisch konstatiert Vladislavić, wie die Attribute liberaler, weißer Kultur von einer neuen Realität vernichtet werden. »Stadtwilderer« sägen Skulpturen ab, entfernen Gullideckel aus ihrer Verankerung, Messingnummernschilder von Häusern und sichern auf Schrottplätzen dafür ihr Überleben ...
Was bleibt nach einer derartigen Tabula rasa in Sachen »Heimat« noch zu sagen? Dass es guttut, diese Bestandsaufnahme, die ohne jede Larmoyanz und Nostalgie auskommt, zu lesen? Dass das Lesen mit einem merkwürdig tröstlichen, kathartischen Schmerz einhergeht? Wie überraschend es ist, dass ein wunderbar komponiertes Buch, das vorsichtig nachspürt und entdeckt und über den zweiten und dritten Blick verfügt, jedes Klischee und Vorurteil zu zersetzen vermag? Dass es ein wirkliches Glück zu nennen ist, nun auch so etwas wie die lichte Version zu J.M. Coetzees dunklem Roman „Schande" vorliegen zu haben, in dem zwar ähnliche Themen verhandelt werden, aber eine »Heimkehr« vollkommen ausgeschlossen ist? Vielleicht liegt die Kraft dieses Buches gerade darin, dass sich Vladislavić nicht auf den Schmerz über das Vergangene konzentriert, sondern auf das »nostos« in Nostalgie, auf den Versuch einer »Heimkehr« , auch wenn die Heimat unwiederbringlich verloren ist.
Axel Timo Purr, Süddeutsche Zeitung
Die scheinbare Zufälligkeit, mit der Vladislavić seine Stadt erkundet und die Details in Notizen festhält, erhält durch die thematische Navigation eine eigene Kartographie. Die »Insel aus Zufall« verdichtet sich zu einem feinen Gespinst mit wiedererkennbaren Kreuzungen, Bordsteinen, verschrobenen Nachbarn, Trödelläden in ehemaligen Kinosälen, Flickschustern auf den Parkdecks des Einkaufszentrums, mit Passanten und Bekannten aus der Bibliothek. Michel de Certeau, Borges, Canetti und Dickens spazieren ebenso mit »Vlad« über die Kitchener Avenue und schauen auf die Lichter von Bezuidenhouit Valley wie die Dichter aus Johannesburg, Herman Charles Bosman und Lionel Abrahams ... Für Vladislavić - und das ist neben der leichtfüßigen Unterhaltsamkeit seiner postmodernistischen Romankonstruktion das Tolle und Wunderbare an seinem Buch - ist Johannesburg mit all seinen Merkwürdigkeiten, Verunsicherungen und Veränderungen eine höchst liebenswerte Stadt, in der man sogar zu Fuß gehen kann. Ein »heimgesuchtes« Zuhause, das ihm seine Inkongruenz permanent bewusst hält.
Sabine Vogel, Berliner Zeitung
Vom Glück, in einer Demokratie zu leben
Der südafrikanische Schriftsteller Ivan Vladislavic hat sich als sensibler Beobachter seiner Heimat und insbesondere auch der urbanistischen Veränderungen seit dem Ende der Apartheid profiliert. Die NZZ hat ihn in seiner Heimatstadt Johannesburg zu einem Gespräch getroffen.
Ein Link zum Interview mit Angela Schader
Neue Zürcher Zeitung, www.nzz.ch
Wer sich einer Stadt durch ein Buch nähern will, wählt meist einen Reiseführer. Seltener fällt die Wahl auf einen Roman, der in der Stadt spielt. Aber nur wenige Romane und gewiss kein Reiseführer können einen Ort so charakterisieren wie die literarischen Skizzen von Ivan Vladislavić ... Was die Liebeserklärung komplett macht, ist der Humor, der vor allem durch die alltäglichen Sicherheitsmaßnahmen durchscheint ... Wie man in einer wenig sicheren Stadt lebt, ohne sich von der Angst auffressen zu lassen, wird hier aufs Schönste vorgeführt. Das kann auch als Lektüre vor einem Südafrika-Urlaub nicht schaden.
Julia Bähr, Abendzeitung
In den Straßen von Johannesburg
Wie lebt es sich in Johannesburg? Fragen an den südafrikanischen Schriftsteller Ivan Vladislavić. »Ich habe keine große epische Vision. Die Details interessieren mich mehr.«
Ein Link zum Interview mit Esther Kogelboom
Der Tagesspiegel, www.tagesspiegel.de
Angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Lage von »Joburg« in den 90er-Jahren, der Post-Apartheid-Ära, grenzt es an ein Wunder, dass ein Autor gerade dieser Stadt eine so poetische, philosophische und lebendige Hommage schreibt.
Kurier
Aus zwei Gründen ist »Johannesburg. Insel aus Zufall« besonders lesenwert. Der eine Grund liegt in den alltäglichen Beobachtungen des Autors, der in Details den großen Lauf der Zeit entdeckt. Das ist liebevoll geschrieben, sachte formuliert und von dezenter Selbstironie geprägt. Der andere Grund liegt in dem elementaren Wandel Südafrikas, den Vladislavić sichtbar macht - und zwar eben in den kleinen Dingen des Lebens, dort, wo die politische und wirtschaftliche Neuausrichtung für die Menschen auf der Straße spürbar wird. So ist dieses Buch zwar der Stadt Johannesburg gewidmet, andererseits aber noch viel mehr den Menschen, die dort leben und durch die Stadt Johannesburg eine gemeinsame Identität erhalten.
Manfred Loimeier, Stuttgarter Zeitung
Ein vollendetes, glänzendes Werk, ein Beispiel dafür, wie große Bücher den Blick auf die eigene Person verändern können. Ein tiefgründiges Porträt der Post-Apartheid-Ära.
Aus der Begründung der Jury zur Verleihung des Sunday Times Alan Paton Award 2007
Vielleicht wird dieses Buch ein internationaler Bestseller. Die Voraussetzungen dafür erscheinen jedenfalls blendend: 2010 ist Südafrika Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft. Zahllose Fans aus aller Welt werden daher in die 8-Millionen-Metropole Johannesburg reisen. Ivan Vladislavić, ein Hauptvertreter der südafrikanischen Literatur, kann bei dieser Reise behilflich sein ... Mit hoher sprachlicher Päzision und Ironie erstellt Vladislavić seinen ganz persönlichen Reiseführer von Johannesburg.
Profil
Kriminalität, Aids, Armut. Johannesburg, Austragungsort sowohl des Eröffnungs- als auch des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft 2010, hat ein echtes Imageproblem. Ivan Vladislavić, einer der bekanntesten Schriftsteller des Landes, kann dies in seinem literarischen Stadtporträt nicht lösen. Aber er hilft, die Vielfalt der Probleme zu verstehen ... Wie einst Dickens im verarmten London streift Vladislavić heute durch Seitenstraßen einer überforderten Stadt, benennt Narben, sammelt Beobachtungen, er konstatiert, präzisiert, analysiert. Und lockert mit seinen gedanklichen Assoziationen unser fest gefügtes Bild von der weltweiten Kriminalitätsmetropole gekonnt auf.
WELT ONLINE - Buch-Tipp
Gewalt und Angst gehören zum Alltag in Johannesburg. Genauso wie die farbenfrohen Wandmalereien des Ndebele-Volkes, Dinnerparties und skurrile Überreste von Bauwerken in einer ständig sich verändernden Stadt, die 1886 als Goldgräbersiedlung gegründet wurde. Über all das schreibt Ivan Vladislavić, in Südafrika geborener Sohn einer Irin und eines Kroaten, in »Johannesburg. Insel aus Zufall«. In 138 intelligenten Miniaturen erzählt der exzellente Beobachter Geschichten aus dem Nach-Apartheid-Johannesburg. Sie fügen sich zusammen zu einem beklemmenden, spannenden, unterhaltsamen Kaleidoskop der Metropole, in deren Vororten mittlerweile die Weißen schwarze Nachbarn haben und arme Bewohner einfallsreiche Einkommensbeschaffungsstrategien entwickeln ... Das Alltägliche, das er beobachtet, aus ungewohntem Blickwinkel genau betrachten und minuziös schildern - so schafft Ivan Vladislavić Literatur.
Südwestrundfunk
In Vladislavićs Johannesburg tragen Häuser anthropomorphe Züge, bekommen Ängste und Hoffnungen der Menschen viel Raum - und der Alltag poetischen Glanz.
Ingeborg Waldinger, WienerZeitung
Vladislavić setzt seiner Stadt ein Denkmal, ungeschönt, unpoetisch, leise aber doch beeindruckend.
Lisa Lager, Lemeus - Alles rund ums Buch
Eines der besten Bücher, die jemals über eine großartige, wenn auch schizophrene Stadt geschrieben wurden, und ein wahrhaftiges Bild vom neuen Südafrika.
Christopher Hope
Eine der geistreichsten Liebeserklärungen – voller Gewalt, Angst, Humor und Klugheit –, die jemals einer Stadt gemacht wurden.
Geoff Dyer, The Independent
Ivan Vladislavić ist einer der einfallsreichsten Köpfe der zeitgenössischen südafrikanischen Literatur.
André Brink


