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Pressestimmen
Thomas King - Medicine River
Was das Buch so besonders macht
"Medicine River" ist ein Roman, den man sich zusammenpuzzlen muss. Viele verschiedene Geschichten, Schicksale, Figuren, unterschiedliche Zeitebenen, alles nicht linear, sondern scheinbar ungeordnet erzählt. Kleine Teile, knappe Sprache. Man muss schon auf Draht sein beim Lesen, sonst verpasst man was. Das ist anfangs vielleicht ein klitzekleines bisschen anstrengend, aber es lohnt sich. Wegen der tollen Typen darin und wegen der wunderbar lebendigen Dialoge.
Wenn ich dieses Buch mit einem Wort beschreiben sollte, würde ich sagen: Anders. Thomas King erzählt anders, und er entführt einen in eine ganz andere, fremde Welt - die einer indianisch geprägten Gemeinde in Kanada. Und das macht er glücklicherweise ohne Lagerfeuerromantik und Ethnogedöns, sondern mit scharfsinnigen Beobachtungen, mit hintergründigem Humor, mit Sinn für Skurilles, aber gleichzeitig einer schönen Selbstverständlichkeit.
Antje Deistler, WDR 2 / Zwei am Sonntag, www.wdr.de
Nicht anklagend, sondern lässig und humorvoll unterläuft der Autor überkommene und heutige Klischees. "I'm not the Indian you had in mind" heißt passend dazu sein Kurzfilm aus dem letzten Jahr. Lakonisch, ohne Larmoyanz schreibt King über das Leben moderner nordamerikanischer Indianer, von überlieferten Traditionen und Entwurzelung, von Vorurteilen und dem Selbstbild der Ureinwohner, die meist auch nicht so genau wissen, wer sie denn eigentlich sind. Kings Indianer essen Pizza, schauen Eishockey und spielen Basketball. Einige sind arbeitslos, schlagen ihre Frauen oder sitzen im Knast, andere reisen durch die Welt und erzählen von indianischen Bräuchen oder arbeiten als Steuerberater wie Louise Heavyman, die ohne Mann ist und schwanger. Will wird sich um sie kümmern. Ob die sich zart andeutende Liebesgeschichte von Erfolg gekrönt ist, wird sich erst am Schluss erweisen. Aber Vorsicht: bei King kommt immer alles anders, als man denkt.
Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung, www.berlinonline.de
»Medicine River« ist ein skurril-schnurriges Meisterwerk, ein Füllhorn, ein Buch voller wunderbarer Dialoge mit einem schwejkschen Grundton und der Ruhe Mark Twains – eine Mischung aus Cartoon und großer Familiensaga. Thomas King macht süchtig. Seine Figuren, – »Trickster«, wie die Indianer solche Figuren nennen-, vergisst man nicht.
Lutz Bunk, Deutschlandradio, www.dradio.de
Mit «Medicine River» lernen wir einen überaus eleganten, humorvollen und versierten Erzähler kennen, der das große literarische Kunststück fertig bringt, uns als Leser im Leben seiner sympathischen Protagonisten selbst wiederzuerkennen.
Florian Hunger, Jüdische Zeitung, www.j-zeit.de
Der preisgekrönte Autor Thomas King, selbst Halbindianer, hat in seinem Epos »Medicine River« recht hoch gepokert – und auf allen Linien gewonnen. Er erzählt vom Leben der Indianer, doch aufgesetzte Sozialkritik und Cowboyromantik hat der großartige Erzähler einfach irgendwo in den Büschen liegen lassen und sie durch feinsinnigen Humor und Leben pur ersetzt.
Kleine Zeitung, Graz
Mein Herz an der Biegung des Flusses
Wäre Thomas King Amerikaner, vielleicht wäre er weltberühmt. Man stelle sich vor: einen Mann, dem es in bloß drei Romanen gelang, die Literatur der "First Nations" (politisch unkorrekt: der Indianer) aus der sozialen wie der ästhetischen Benachteiligung herauszuführen und indianische Mythologie so zu erzählen, als wäre sie ein paar tausend Jahre vor der Zeit schon postmodern gewesen. Doch King ist, obwohl in Kalifornien geboren, Kanadier, und von Kanadas Literatur weiß man in Deutschland wenig. Wer etwa hätte je von der Oka-Krise gehört? Damals, 1990, wurde in ganz Kanada um die Ausdehnung eines Golfplatzes auf Grabstätten der Mohawks gerungen, Mohawk-Krieger und Polizei gerieten aneinander und die Kultur der First Nations gewann. Nach Oka jedenfalls war die Literatur der Indianer Kanadas bestsellerfähig.
Kings erster Roman "Medicine River", der mit fast 20 Jahren Verspätung nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt, war ein Jahr zuvor erschienen - was eher ein Beispiel historischer Folgerichtigkeit als ein bloß glücklicher Zufall ist. Im multikulturellen Kanada schuf die Oka-Krise ein Bewusstsein für die inneren Kolonisierungsprozesse im Land; in weiser Voraussicht hatte King einen bereits postkolonialen Roman geschrieben. An die Stelle des "Indian Lament", der Gattung gewordenen Klage der Ureinwohner Nordamerikas, setzt er selbstbewusste Komik und Ironie ...
Wieland Freund, Die Literarische Welt, www.welt.de
Herrlich gelassen, aber keine Sekunde langweilig erzählt der Fotograf Will aus seinem Leben. Will ist der Ich-Erzähler in Thomas Kings Roman "Medicine River" – und das ist ein fantastisch entspanntes Lesevergnügen.
Kerstin Köhne, Oldenburgische Volkszeitung
Der aus Kalifornien stammende Dozent für Literatur und »Native Studies« (selbst Sohn eines Cherokee und einer griechisch-deutschen Mutter) zeichnet hier eine feinsinnige, sanfte Komödie aus dem heutigen Leben der American Natives in Kanada. King erzählt mit subtilem Humor und literarischer Finesse die kleinen Geschichten eines Lebens in der Provinz, die bei näherer Hinsicht keineswegs so klein sind, wie sie scheinen. Liebe, Tod, die Frage nach den Wurzeln und dem richtigen Platz im Leben sind Menschheits-Themen, die jeden von uns bewegen - egal ob in Medicine River oder anderswo.
Mona Grosche , Neues Deutschland
»Medicine River« ist gestrickt aus einer Reihe von lose aneinandergereihten Zwischenfällen, die über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren in der Gegenwart spielen. Diese Ereignisse sind überschnitten mit Rückblicken auf Wills Vergangenheit - seine Kindheit ohne Vater, seinen Bruder Jamie oder eine Liebe zu einer verheirateten Frau -, die King virtuos in sein Romankonstrukt einzuflechten weiß. Der »rote Faden« geht dabei niemals verloren. Im Gegenteil, diese Erinnerungen offenbaren stets eine gewisse Parallelität zur Gegenwart und treiben deren Handlung geradezu voran ... Das leise, unaufdringliche und unspektakuläre Buch, geschrieben in einer wunderbaren unprätentiösen und einfachen Sprache, offenbart seinen wahren Charakter erst zwischen den Zeilen ... In »Medicine River« erwartet den Leser keine Wild-West-Geschichte, es gibt keine federgeschmückten Indianerhäuptlinge, keine Fährtensucher und auch keine überschwängliche Sozialkritik, sondern ein behutsames Offenlegen der heutigen Sichtweise und Lebenseinstellungen dieser Menschen, ihres Umgangs miteinander, Freund- und Feindschaften sowie jede Menge Familiengeschichten und Liebesepisoden. Auf einen Satz reduziert: Ein Buch über alltägliche Identitätssuche und -wahrnehmung...Fazit: Ein hintergündig-anspruchsvoller, ironischer und raffiniert konstruierter Roman, der überzeugend von den komplizierten Mechanismen indianischen Lebens im Heute berichtet.
Heike Geilen, www.sandammeer.at
Kings Charaktere entstehen aus einfachen, schnellen Pinselstrichen, die Handlung fließt in vielfältigen Rhythmen und alles läuft in einer raffinierten Struktur zusammen ... Er verwebt persönliche und fesselnde Geschichten zu einem Roman von scheinbarer Leichtigkeit. Mit hoher Kunstfertigkeit unterhält uns King, während er seine ernsthaften Botschaften in das Bewusstsein des Lesers schmuggelt. Er ist ein listiger und leiser Verführer.
The Toronto Star


