Pressestimmen

Günter Herburger - Der Kuss

Die Idylle nutzt Günter Herburger nur als Ouvertüre, fast als wolle er die Leser auf eine falsche Fährte locken, um dann mit einem unwirschen Paukenschlag dazwischenzufahren ...
Schönheit macht Herburger nicht blind, sondern hellsichtig. Sein kampfeslustiger Spott panzert ihn gegen jegliche Sentimentalität. Die Welt ist ihm Munition und deshalb kann man sicher sein: Er verstummt noch lange nicht.



Martin Zeyn, Bayerischer Rundfunk

Günter Herburger hat sich einen ganz spezifischen Ton geschaffen für sein durchtriebenes Registrieren dessen, wie´s in der Welt zugeht: grimmige Ratlosigkeit ist die einzig mögliche Reaktion auf die Grundbeschaffenheit der Welt. Metaphysische oder gebildete Weinerlichkeit kommt nicht auf, weder Mitleid noch Selbstmitleid ist zu hören ... Agile, unirritierbare Unbarmherzigkeit, bei der Trauer durchschwingt, steht ihm viel besser und sagt je wohl auch mehr über den Zustand der Welt, auf die sich die meisten von uns - seien wir ehrlich - wahrhaft keinen Vers mehr machen können: Das nimmt der Dichter Herburger ernst und macht deshalb auch keine schönen Verse. Aber seine unheimlichen Genrebilder und angsterregenden Kürzestszenen sind eben doch ernster zu nehmen als jedes gepflegte lyrische Gesäusel. Er gibt nicht nach, er gibt nicht auf.

Jörg Drews, Süddeutsche Zeitung

Mit »Der Kuss« liegt nun das jüngste Buch Günter Herburgers vor, eine ebenso spielerisch wie streng komponierte Gedichtsammlung ... Diese Verse nämlich missbrauchen den Zeilenbruch nicht, um bruchlose Gewissheiten, welcher Art auch immer, zu verkünden. Weder unter der Vokabel »zeitkritisch« noch »altermilde« abzuheften, fahren sie dagegen unerwartet die Pranke aus und zerkratzen mit maliziösem Lächeln jegliche Idylle ... Anstatt sich in eindimensionalem Gegenwartslamento zu verlieren, werden hier mit scheinbar leichter Hand Zeit- und Bedeutungsebenen vermischt, geht selbst in längeren Erzählgedichten das artistische Rätsel vor Pointe ... Diese Maß an Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Konzentration und ironischer Genauigkeit - ein wenig erinnert es an Herburgers frühere Passion des Laufens, der ebenfalls einige seiner Bücher gewidmet sind. Nun also, im achten Lebensjahrzehnt, die Einsamkeit des Langstreckenläufers? Im Gegenteil. Wohl eher: Die innere Freiheit des Marathon-Manns.



Marko Martin, Deutschlandradio Kultur

Messerscharf und hinterhältig

Messerscharf und hinterhältig ist die Lyrik Herburgers. Mit vertrauten idyllischen Bildern ködert er seine Leser und verpasst ihnen meist umgehend Nackenschläge. Es ist nichts so, wie es scheint. Herburger bohrt meisterhaft vertraute Bilder auf und lässt so neue, irritierende, verstörende entstehen. Alles Schöne, Harmonische hat bei ihm stets auch eine Kehrseite oder mehrere Schattenseiten ...
Einige Gedichte erinnern an Filme (Eine Küchengeschichte) oder Bücher (Solaris), andere sind witzig-verschmitzt (Klinik, Höfatz). Ein lesenswertes Buch – fein, aber auch gemein.


Michael Dumler, Allgäuer Zeitung

Ohne Schwierigkeiten gelingt der Eintritt in die Gedichte von Günter Herburger. Er ist ein Autor der konkreten Benennung und der Alltäglichkeit, die er teils erzählend, teils reflektierend darlegt. Mit einfachen Worten schafft er große Bilder wie »ein Eimer voller Türklinken« als Ausdruck der Ausweglosigkeit. Er enthebt das Erhabene und holt es in die reale Welt. Die wird allerdings nur als eine Folie benutzt, hinter der sich subtil eine abstrakte Ebene verbirgt, in der Herburger große Themen bis hin zum Schicksal der Welt behandelt.

Walter Fabian Schmid, Der Poetenladen

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