Pressestimmen

Toni Sala - Zwischenland

Wie sein Abenteuer ausgeht, ist dem Lebensflüchtling ziemlich gleichgültig. Gerade das macht die Stärke dieses kurzen Romans aus. Denn alles ist möglich am Ort des Geschehens, der Mann kommt an den Tatort, schaut den Ganoven beim Einbruch zu und mischt sich dann ins Geschehen ein. Warum und wozu? ... Sala hat es vorgezogen, sich auf die absurden Aspekte der Geschichte zu konzentrieren. Sie läuft an, entwickelt sich, bleibt durchgängig spannend und besser: unterhaltsam. Wie geht es weiter und in welche Richtung?
Absurd wird das Ganze durch das trostlose Setting, die gewaltigen Vorstadtareale, die irgendwann in Natur übergehen oder das, was zwischen Mülldeponien und Schweinemastanlagen von ihr übrig geblieben ist: eben jenes «Zwischenland», das dem Roman seinen Titel gegeben hat. Für Touristen mag es verheissungsvoll sein, im Zug entlang der katalanischen Küsten zu fahren - für die Katalanen selbst ist es grauer Alltag, und zwar umso grauer ... So erhält der Leser kunstvoll lapidar geschilderte Einblicke in das mobile Leben der Katalanen: die Passagiere in Vorstadtzügen, die trostlos und nüchtern sind wie Vorstadtzüge fast überall auf dieser Welt. Sala berichtet von Grossraumabteilen, die die jüngeren Passagiere dazu einladen, ihre Füsse auf den gegenüberliegenden Sitz zu stellen; die älteren, vor sich hin zu dösen, und die planlosen, den Rausch auszuschlafen.
Das alles erzählt Toni Sala wie nebenbei, lässt die Bilder entstehen und wieder vergehen, in einer Sprache, die das Beschriebene sofort und mühelos vor Augen ruft. Wie überhaupt alles in diesem Roman plastisch, anschaulich, sinnlich wirkt - auch wenn man froh ist, sich diese Art der Sinnlichkeit im eigenen Leben vom Leib halten zu können. Umso grösser die Bewunderung für den Autor, der all dies erzählt, ohne je in den aufdringlichen Ton sozialkritischer Literatur zu verfallen.



Kersten Knipp, Neue Zürcher Zeitung, www.nzz.ch

Der packende Roman besticht nicht nur durch die Handlung, sondern vor allem durch die Details, die der katalanische Autor in einer zauberhaften Sprache beschreibt. Durch die Augen des scheinbar Unbeteiligten zeigt er Menschen, Stimmungen, Landschaften, die den Leser während der Lektüre selbst zu Bewohnern dieses Zwischenlandes werden läßt. Das feinmaschige und klebrige Spinnennetz der Realität jedoch ist diesen Bewohnern feindlich gesonnen, will sie immer wieder zurückholen und verschlingen. Da ist die spanische Polizei, da ist die Frau, die dem Mann hartnäckig folgt, da sind die Zwänge, nur gegen Geld das Nötigste zu erhalten, da ist der Sprit als Grundvorraussetzung, daß ein Auto fährt. Die Regeln des Zwischenlandes prallen auf die Realität. Dies hautnah miterleben zu dürfen, ist das Verdienst des jungen Autors Toni Sala, dessen bisher veröffentlichte Romane, Erzählungen und Reiseberichte schon vielfach ausgezeichnet wurden. Der großartige Roman »Zwischenland« ist hoffentlich nicht sein letzter!

Maria Panzer, Lesart

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