Pressestimmen

Mahmoud Darwish - Der Würfelspieler

Platz 2 der litprom-Bestenliste Weltempfänger 3/2009

Vor einem Jahr ist er gestorben, aber mit diesem großen Poem ist er unsterblich geworden: Mahmoud Darwish, der palästinensische Dichter, nimmt Abschied, in den wuchtigen und subtilen Versen einer radikalen Selbstbefragung, die als Lobpreis des Lebens endet.

Karl-Markus Gauß, Jury der litprom-Bestenliste, www.litprom.de

Die Poesie des vor einem Jahr im Alter von 67 Jahren gestorbenen Palästinensers Mahmoud Darwish hat sehr unterschiedliche Phasen durchlaufen, von sehr eingängigen, vielfach vertonten Texten in den sechziger Jahren zu hochkomplexen, mit Mythen und Symbolen aufgeladenen Wortgebilden in den achtziger und neunziger Jahren. Das jetzt in einer deutsch arabischen Ausgabe erschienene Langgedicht „Der Würfelspieler", vereint das Beste aus beiden Phasen. Es ist Darwishs literarisches Testament.

Stefan Weidner, Deutschlandradio, www.dradio.de

Der Würfelspieler ist eine knappe Lebensbilanz, mit der Darwish sich einmal mehr in den Kanon der Weltliteratur eingeschrieben hat ... Die Kraft dieser Dichtung beruht auf dem Sprachrhythmus, den eindrucksvollen Bildern und auf der Präsenz des lyrischen Ichs. Ein lyrisches Ich, das sich im Fall Darwishs vor allem durch seine Skepsis gegenüber imaginierten oder realen Kollektiven auszeichnet ebenso wie durch seine radikale Kritik an Ideologien und vorgefassten Weltanschauungen ... Darwishs Schreiben ist im Angesicht der Zerstörung noch luzider geworden, seine Botschaft glasklar. Es ist tödlich, Menschen ideologische Fesseln anzulegen und sie auf bestimmte Identitäten oder politische Ziele festlegen zu wollen. Worauf es ankommt, ist das Begehren zuzulassen, offen zu sein für die poetischen Möglichkeiten der eigenen und der kollektiven Existenz, die unendliche schöpferische Energie des Menschen, sich immer wieder neu zu erfinden. In diesem Sinn ist dem Spieler Mahmoud Darwish ein letzter großer Wurf gelungen: ‚Dass nicht ausufere der Gesang und der Ton/Nicht versage von Refrain zu Refrain/Dem doppelzeiligen/Da der Schluss einzeilig ist: Es lebe das Leben.’

Martina Sabra, Literaturnachrichten, www.litprom.de

Den Ort, an dem er geboren wurde, haben Israelis zerstört; so erzählen die Texte Darwishs in nachtdunkler Traurigkeit stets vom Leiden, Leben und Sterben seiner Leute. Aber trotz aller Bitterkeit und noch im wilden Zorn meint der Dichter nie Rache, will er Freundlichkeit. Seine Botschaft ruft, singt, schreit nach Toleranz ... Ein großes Fest der Fantasie findet da statt, und die Erde ist in jedem Gedanken. Babylon scheint um die Ecke, Troja nicht gewesen: Die Menschheit lernt nichts dazu und hat dennoch Zukunft ... diese Verse thematisieren nicht bloß die schwierige Lage dessen, der überall und nirgendwo zu Hause ist; sie wehren sich dagegen, als Symbol gehandelt zu werden. Und sie bekräftigen den Widerstand, der unbesiegbar aus der Vision von Freiheit erwächst. In seiner wortmächtig sensiblen Nachdichtung hat der seit fast einem halben Jahrhundert in Leipzig lebende Syrer Adel Karasholi, dem Freund in Schicksal und Beruf verwandt und verbündet, wie in seinem wunderbaren Vorwort die Magie eines geistigen Kosmos beschworen, in der "Palästina" alles bedeutet. Oder auch nur als Metapher verstanden werden darf im endlosen Kampf von David und Goliath ...

Gisela Hoyer, Leipziger Volkszeitung

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