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Pressestimmen
Zhu Wen - I love Dollars
NDR Kultur - Buch der Woche
Zhu Wen kratzt ununterbrochen an den Tabus der Chinesen, Tabus gegenüber Homosexualität, Prostitution oder Bestechung. Trotz seiner derben Sprache, trotz der offensichtlichen Skepsis sind Wens Geschichten alles andere als Weltuntergangsszenarien á la Michel Houellebecq. Seine gedrechselten Idiome, seine surreal-fantastischen Auswüchse und seine asiatischen Metaphern wie "das Bittermelonengesicht einer Frau" erzählen von einem Glauben an die Schönheit des Lebens und von einer Zuversicht.
Sylvie Kürsten, NDR Kultur, www.ndrkultur.de
Chinesische pulp fiction
Zhu Wens Schreiben, weit entfernt von brav didaktischer Gesellschaftskritik, bezieht seine widerständige Kraft aus einer grotesken, ätzend komischen "pulp fiction" und einer szenischen Hypergenauigkeit, die zwischen quälender Langsamkeit und eruptiver Brutalität wechselt, um am Ende stets hart abzubrechen.
Dorothea Dieckmann, DeutschlandRadio, www.dradio.de
Die meisten der Geschichten handeln in großstädtischem Milieu, immer wieder beschreiben sie die gesellschaftliche Enge - aber vor allem auch die umso heftigeren Ausbruchsversuche mit denen die übermittelten Wert- und Moralvorstellungen in Frage gestellt werden. Dabei geht es um die Suche nach Sinn, um ausschweifende Sexualität und natürlich ums Geldverdienen, all das im Rahmen und vor dem Hintergrund des chinesischen Staatskapitalismus mit seinem Changieren zwischen (wirtschaftlicher) Freiheit und Kontrolle. Beeindruckend, wie nah dran an den Figuren der "Hooligan" der chinesischen Literatur dies in kompakte und kunstvoll komponierte Texte packt: Zu When, 1967 geboren, Ingenieur, Filmmacher und Autor, orientiert sich sehr gekonnt an den Formen der Novelle, aber auch an filmischen Schreibweisen. So gelingt ein - auch äußerlich - sehr ansprechend gemachter Band, der für das Jahr der chinesischen Literatur in Deutschland Maßstäbe setzt.
Ulrich Noller, WDR, www.funkhauseuropa.de
Oversexed
Galt der Schriftsteller und Filmemacher den einen als Nestbeschmutzer und Zerstörer traditioneller Werte, glaubten andere, in ihm die Stimme einer neuen Generation zu erkennen ... Ob Zhu Wen seine Protagonisten nahezu klassisch auf eine Schiffsreise oder durch eine Nacht am Krankenbett eines frisch Operierten schickt, immer regiert unterhalb des mal krud realistisch, mal lakonisch beiläufig Dargestellten noch eine zweite Welt des Wahns und der Idiokrasien. Die Figuren handeln selten vorhersehbar und damit erklärbar. Dabei ist das gesellschaftliche Leben total sexualisiert: completely oversexed sozusagen. Alt und jung gieren nach Befriedigung, um sich (männlicherseits zumindest) gleich darauf wieder leer zu fühlen ... Abbilder einer Gesellschaft im Wandel, rasant im Blick auf Kapitalisierungsprozesse einerseits und Diskerepanzen hinsichtlich der Leit- und Lenkungsfunktion durch den Staatsapparat andererseits, wodurch die gesellschaftlichen Subjekte schließlich völlig ausgehölt werden.
Werner Jung, konkret
Bei Zhu Wen gibt es in einem fort Streit, Prügel, Sex, zu wenig Geld, mäßig gutes Essen und Saufgelage. Was nicht heißen soll, dass seine Literatur auf krawallartige Effekte hin angelegt ist. Im Gegenteil: Er beschreibt ausführlich die Ängste, die Hoffnungen und die Nöte seiner Figuren. Dabei schlüsselt er das soziale Umfeld wie Arbeiten, Wohnen, die Familie und Liebesbeziehungen sehr komplex aus. Wer China nicht kennt und dieses Buch liest, wird den Eindruck bekommen, dass das moderne China genau so ist und funktioniert: ein unfertiges, manchmal chaotisches und überbevölkertes Land, das zwischen Tradition und Moderne steht und sich in einem dauernden Generationenkonflikt befindet. Auch wenn Zhu Wen natürlich Vertreter einer jüngeren Generation ist, bezieht er in seinen Erzählungen keine eindeutige Position in dieser Auseinandersetzung. Das macht diese Geschichten so spannend.
Florian Schmid, Landshuter Zeitung
... ein tolles, gut lesbares Buch, das die rasanten gesellschaftlichen Umbrüche im Land in den 1990er-Jahren literarisch zu verarbeiten versucht.
Burkhard Bischof, Die Presse
Zhu Wens Stories fallen mit der Tür ins Haus, direkt ins Geschehen, das dann in einem lakonischen, manchmal sarkastischen, immer frappierend präzisen Stil vor sich hin mäandert, bis es an ein abruptes Ende kommt: Ein Reisender auf dem Yangtse, der am liebsten allein wäre - aber von einem obskuren Objekt nach dem anderen um Ruhe und Schlaf gebracht wird. Ein Fabrikarbeiter, der die kafkaesken Zustände in einem chinesischen Kraftwerk schildert. Es sind kurze, gut verdichtete Szenen, denen man anmerkt, dass Zhu Wen auch als Regisseur arbeitet
Mathias Heybrock, Lesezeit
Zhu Wens außergewöhnliche Großstadt-Geschichten porträtieren das gegenwärtige China als ein Land, in dem politischer und sozialer Druck zu Genusssucht, Entwurzelung und Nihilismus geführt haben. Mit dem beißenden Humor und der verstörenden Distanziertheit eines Kafka oder Borges bildet der Autor den Überlebenskampf und die Sinnsuche in einer sich schnell wandelnden und bürokratischen Gesellschaft ab.
Jury des Kiriyama Prize 2008
Es ist eine allgemein verbreitete Sichtweise, dass die ausschließliche Beschäftigung Chinas während des letzten Jahrzehnts, reich zu werden, traditionelle Werte genauso wirkungsvoll erodieren lässt wie die Kulturrevolution vor 40 Jahren. In »I love Dollars«, einer Sammlung seiner besten satirischen Erzählungen, verwandelt der Ausnahme-Schriftsteller Zhu Wen diese traurige Situation in großartige Komik.
Bradley Winterton, The Taipei Times


