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Pressestimmen
Günter Herburger - Ein Loch in der Landschaft
Der Dornenbarsch unter den Dichtern
Irritierend schöne Gedichte blicken hier auf, durch und hinter die Erscheinungen. Immer wieder stellt sich beim Lesen der Eindruck ein, man lausche einer Musik aus Bedeutungen und Informationen, radikal in ihrer Vielfalt, Klangfülle und Benennungsakribie. Ein zaubrisches Raunen unter einem Sprachhelm - hier sucht Dichtung nach Ausdrucksmöglichkeiten für die fast komplette Virtualisierung der Welt und ihrer Wahrnehmung. Ihre belebende Irritation erlangen die Gedichte jedoch durch klassischen Strophenbau, herkömmliche Interpunktion und Rechtschreibung sowie einen feinsinnig Satz und Vers in Einklang bringenden Zeilenumbruch ... „Ein Loch in der Landschaft“ blickt auf Banalitäten, peinigende Schilderungen der Angst, die Schönheit der Tiere, den Trost menschlichen Miteinanders. Auf die schöne, neue, bizarre Welt, von der einmal mehr alles gesagt scheint, auf die sich keiner mehr einen Reim machen kann oder will, aber die beinahe jeder abfotografiert und durchanalysiert, auf sie blicken Günter Herburgers Gedichte spöttisch, traurig, böse, weise. Wer sie liest, der riskiert, die Augen seiner Augen zu öffnen.
Mirko Bonné, Frankfurter Allgemeine Zeitung, www.faz.net
Die Torte unserer Zuversicht
Leichtfüßig, lapidar, rhythmisch frei, aber niemals stolpernd schreiten seine neuen drei-, vier-, fünf-, sechszeiligen Strophen dahin. Ab und an verdichten sich Assonanzen zu richtigen Reimen, die sternschnuppengleich vorüberhuschen, wie eine Erinnerung an Zeiten, als es mit der Lyrik noch leichter war ... Im Zeitalter von GPS und Google Earth, in dem eine existenzielle Frage wie „Wo bin ich?" ein für alle Mal geklärt zu sein scheint, hebt Herburger die Welt und allerlei Gewissheiten aus den Angeln, nur mit Druckerschwärze auf Papier ... Herburger, zeitlebens einer der großen Außenseiter der deutschen Literatur, beharrt er mit jedem Vers auf etwas Selbstverständlichem, das in diesen pragmatischen Zeiten aber kaum einer noch riskiert: allein aus Worten eine ganz eigene Welt schaffen zu können.
Christof Siemes, DIE ZEIT
Die Pixel des Hieronymus Bosch
Märchenhaft böse und schön sind die neuen Gedichte des 78jährigen Günter Herburger ... Fast jedes Gedicht irritiert und überrascht den Leser durch in Bildern benannte und weitergedachte Analysen der virtuell durchgepixelten Gesellschaft. Provokant wirkt nicht nur das Gedicht "Gestirn". Da übt Gott nur noch läppische Zaubertricks, verwandelt Silberfischchen zu Spiralnebeln und erscheint als würfelnder Spieler. Verspielt, gelassen oder vergnüglich sind Herburgers Gedichte nirgends, auch wenn in Sentenzen und Pointen der Sprachwitz regiert.
Dorothea von Törne, Die Welt, www.welt.de


