Pressestimmen

Kiran Nagarkar - Ravan & Eddie

Wir staunen über all die überraschenden, tragischen und komischen Wendungen der Geschicke bei den Pawars, den Coutinhos und ihren Nachbarn. Während wir noch den Mund aufsperren, jubelt Nagarkar uns vieles (aber bestimmt nicht zu vieles) unter, was man über Bombay, die Portugiesen, die Hindus und die Katholiken, die Jesuiten, über die Bhagavadgita und die Upanishaden wissen muss, um am Ende nicht nur ein Buch über zwei Jungs namens Ravan und Eddie, sondern einen großen Roman über eine große Stadt gelesen zu haben.

Julia Schröder, Stuttgarter Zeitung

Der Chawl als mikrokosmisches Abbild der heterogenen indischen Gesellschaft evoziert Nehrus idealistische Vision vom Haus der Nation, das es zu bauen gelte, wie er in seiner berühmten Rede am Vorabend der Unabhängigkeit Indiens formulierte: der Wohnstätte, in der Raum ist für alle Religionen, Kulturen, Ethnien und Sprachen. Nagarkar führt exemplarisch vor, was in den fünfziger Jahren aus dieser Vision wurde: ... Ravan und Eddie leben in zwei Paralleluniversen, von denen es in Indien unzählige gibt - es handelt sich jedoch aller mathematischen Logik zum Trotz um Parallelen, die sich schneiden. Der Roman konterkariert alle romantischen Vorstellungen vom multikulturellen Miteinander, führt aber auch vor, dass sich weder Sprachen noch die Geschichten in die ihnen zugewiesenen engen Welten einsperren lassen ... Der Christ Eddie wird wundersamerweise in eine radikale, hindunationalistische Jugendgruppe aufgenommen, wo er Marathi lernt und mit dem Mahabharata vetraut gemacht wird, während der Hindu Ravan von dieser Gruppe exkommuniziert wird, sich der koreanischen Kampfkunst Taekwondo zuwendet und Englisch lernt ... Diese Nacherzählung ... unterschlägt jedoch fast alles, was den Roman lesenswert macht: vor allem den Ton, der das Geschehen indirekt kommentiert, jenen hyperbolischen, grenzsprengenden Stil, dem nichts heilig ist, außer dem Leben der Figuren. Dass er nicht zur Manie gerät, ist der Kunst eines Erzählers zu verdanken, der seine Geschichten nicht einfach barock wuchern lässt, sondern ganz in den Dienst seiner jungen Helden stellt, die nach und nach Bekanntschaft mit den Gesetzen des Lebens machen ...
Anders als beispielsweise Manil Suri, der in seinem Roman »Vishnus Tod« (2001) das Bild des Hauses symbolisch überhöht, vermeidet Nagarkar blutleere Abstraktionen. Statt ein Konzept mit Wörtern zu füllen, findet er Worte und Bilder und Geschichten für Erfahrungen, die so elementar mit Fragen der Zugehörigkeit und Ausgrenzung zu tun haben, dass sie Nehrus Mantra von der Einheit in der Vielfalt vorgeordnet sind ...
Auf Deutsch macht sich seit ein paar Jahren der A1 Verlag um das Werk Nagarkars verdient. Die mit einem fast vorbildlichen Glossar versehene, souveräne und lebendige Übersetzung von Giovanni und Ditte Bandini ermöglicht den adäquaten Zugang zu diesem amüsanten, witzigen und gleichzeitig informativen, erhellenden Roman, der nicht nur von Indien erzählt, sondern auf differenzierte Weise das menschliche Antlitz hinter der kulturellen Maske freilegt.

Claudia Wenner, Neue Zürcher Zeitung

Kiran Nagarkar ist einer der wichtigsten indischen Autoren - und vielleicht der provokanteste. Seine Romane und Theaterstücke orientieren sich weder am westlichen Leser noch an exotischen Indienbildern, sondern fordern auf, das Selbstverständnis der eigenen multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart zu suchen. So auch im fulminanten Roman »Ravan & Eddie«. Die Geschichte spielt im postkolonialen urbanen Indien und beschäftigt sich auf amüsante Weise mit Schuld, Sünde und Sex, Verbrechen und Strafe sowie der Entdeckung des eigenen Ichs.

Literaturhaus Salzburg

Dies ist ein ungewöhnliches Buch ... Anhand der Geschichte von Ravan und Eddie, die einander quasi von der Geburt Eddies an herzlich hassen, erzählt dieser Roman einen Teil indischer Geschichte. Den Teil jener multikulturellen Gesellschaft, die schon immer in diesem riesigen Land zusammenleben musste und das nicht immer friedlich schaffte. Den Teil, der die nationalistische Hindubewegung beschreibt, der sich ausgerechnet der katholische Eddie anschließt, weil man dort Stockfechten lernen kann; den Teil, der die Kämpfe um Wasser in der Stadt beschreibt, jene Korruption in den Behörden, die nicht für, sondern oftmals gegen die Menschen arbeitet. Und zuguterletzt erzählt er von den Verwirrungen, die die Religion in den Köpfen der Menschen anrichtet. Kiran Nagarkar ist nicht nur ein weiser, sondern manchmal auch ein ironischer und ein bitterer, aber immer ein unsentimentaler Beobachter, der einen kleinen Ausschnitt eines großen Pandämoniums und seiner Auswirkungen auf Gläubige, Ängstliche, Erniedrigte und Überlebende gezeichnet hat. Es ist ein sehr aufregendes Buch geworden ...

Inforadio/RBB

Indische Zeitmaschinen

Der Münchner A1 Verlag bietet mit den Romanen des 1942 in Bombay geborenen indischen Autors Kiran Nagarkar dichterische Zeitreisen, wie sie in der Gegenwartsliteratur selten sind ... So auch in dem nun veröffentlichten Roman »Ravan & Eddie«, den Nagarkar mit großem Erfolg auf einer Lesereise durch deutsche Literaturhäuser vorstellte ... In »Ravan & Eddie« stößt man unentwegt auf ... spannungsreiche Blicke der Grundlagen unserer Kultur aus der Perspektive einer anderen. Darüber hinaus bietet der Roman Zugang zu der Geschichte Indiens in den 1950er und 60er Jahren, den ersten Jahrzehnten der Unabhängigkeit. Vor diesem Hintergrund erzählt Nagarkar nicht nur vom Erwachsenwerden zweier indischer Kinder, sondern auch von den Folgen des europäischen Kolonialismus ... Nagarkars Romane sind somit Verständigungsangebote zwischen den Kulturen, sie sind aber vor allem große Erzählkunst. In dieser Mischung ist Nagarkar vergleichbar mit den fantasievoll-geistreichen Kulturvermittlern der Weltliteratur wie Cervantes, Mark Twain und Italo Calvino.

Thomas Böhm, AZ

Die Geschichte springt hin und her in der Zeit, rollt Familiengeschichten von verschiedenen Seiten auf und evoziert dabei Szenen einer expansiven Lebensprallheit und fröhlich-grotesken Turbulenz, dass man sich auf Schritt und Tritt an die barocke Bilderfülle und Sprachmächtigkeit eines Salman Rushdie erinnert fühlt. Kiran Nagarkar verdient eine viel stärkere internationale Präsenz.

Martin Kämpchen, FAZ

Superlative sind Sache der Werbebranche. Superlativen ist prinzipiell zu misstrauen. Bei Kiran Nagarkar aber ist eine Ausnahme erlaubt: Er zählt zweifellos zu den besten Schriftstellern im modernen Indien.

Cornelia Zetzsche, BR

Nagarkar beschreibt die Bewohner der Chawls voll Zuneigung und Humor und nutzt die Gelegenheit, sie über Politik, Moral, Ideologie, Religion und sämtliche Irrwege der Gesellschaft diskutieren zu lassen. Eddie und Ravan, naiv und meist sich selbst überlassen, entwischen dem tristen Leben durch ihre Träume und Phantasien. Geschickt mischt der Autor realen Alltag und luftige Schlösser und garniert beide Welten mit reichlich schwarzem Humor. Die Botschaft kommt auch bei den europäischen LeserInnen an: Das Leben ist hart, erträglich nur, wenn man trotzdem lacht. Egal ob man an den Gott der Christen, der Hindus oder der Moslems glaubt, oder an gar keinen.

Ditta Rudle, Buchkultur

Gegensatzpaare sind ein immer wiederkehrendes Motiv in Kiran Nagarkars Roman »Ravan & Eddie«. Da gibt es die beiden Jungen selbst, deren Lebensgeschichten die Zwillingsgleise bilden, auf denen der narrative Zug dahinjagt. Da sind die zwei Mütter, Parvati und Violet. Die zwei Gemeinschaften, Hinduisten und Katholiken. Zwei Kampfkünste, der Stockkampf der Sabha und Taekwondo. Zwei Gurus, Lele Guruji und Mr. Billimoria. Und zwei Filme, Dil Deke Dekho und Rock around the Clock.
Dennoch geht es in diesem Roman weniger um Dualität, sondern vielmehr um die Bande, die zusammenhalten, was sich eigentlich gegenseitig ausschließt. Es geht um das Metall, das beim Erhitzen beide Seiten einer Medaille zu einer Einheit verschmilzt ... Nagarkars Vehikel ist sein besonderer Beobachtungsstil, der fast nüchtern wirken könnte, wäre er nicht von menschlichem Mitgefühl und Zorn durchdrungen. Die Wut bleibt dabei unterschwellig, wie das stetige Summen einer Maschine, das man erst hört, wenn die Maschine still steht. Diese Wut wird jedoch weder direkt angesprochen, noch wird ihr Ziel offensichtlich - es könnte die Herzlosigkeit von Kulturen sein, die darauf insistieren, dass sich Individuen voll und ganz der Gemeinschaft unterordnen. Oder die erstaunliche Unfairness des Lebens. Oder die erstickende Grausamkeit elterlicher Liebe, vielleicht jeder Liebe ... Nagarkar schreibt immer und unmittelbar über Menschen und ihre Schicksale. Ideen, Moralvorstellungen, Ideologien, der politische Alltag, all das schwingt mit unter den Flügeln dieses Romans, um von Zeit zu Zeit einen Auftritt zu zelebrieren, ohne dabei jedoch jemals Hauptrollen zu spielen. Stattdessen ziehen Humor und Lebendigkeit als Protagonisten auf die Bühne, singen vergnügte Lieder und schlagen Purzelbäume, auch wenn sie die Maske der Tragödie tragen ... Kiran Nagarkar zeigt uns vibrierendes, schillerndes Leben, wo wir vorher vielleicht nur armseliges Darben vermutet hätten.

Manjula Padmanabhan, Sunday Times India

Im Klappentext des englischen Originaltitels wird »Ravan & Eddie« als ein »sehr, sehr lustiger« Roman vorgestellt. Lustig ist aber eigentlich nicht das richtige Wort - es sollte »witzig«, »komisch« und »geistreich« heißen. Zugleich liefert der Roman bestechende Informationen über das Leben in den überfüllten Chawls von Bombay ... Der Roman ist voll von überraschenden Drehungen und Wendungen, geschmückt mit einer erfreulich unzensierten Sprache ... Kiran Nagarkar ist ein geborener Geschichtenerzähler mit einem unfehlbaren Auge fürs Detail, ein Meister im Umgang mit Worten und ein Künstler der Erotik.

Khushwant Singh, India Today

Kiran Nagarkars »Ravan & Eddie« erzwingt förmlich Aufmerksamkeit. Die pure Energie, Vitalität und die überwältigende Imagination der Erzählung besitzen eine ganz eigene Qualität ...
Die Welt der Bombay Chawls ist eine aufregende, und Nagarkar fängt jede Nuance davon ein. In diesem Schmelztiegel verlaufen bewegende Nebengeschichten parallel zur Geschichte der beiden Jungen ... und in Ravans und Eddies Leben finden wir immer auch etwas von uns selbst. Die Odyssee führt nämlich nicht nur einfach durch ihre Geschichte, sondern auf tiefsinnige Weise auch durch die universellen Verwirrungen bei der Suche nach der Bedeutung von Schuld, Verantwortung, Sünde und Sexualität, Verbrechen und Bestrafung, Sühne, Macht und Selbstentdeckung.

Behula Chowdhury, The Telegraph

Ich habe geradezu ein obsessives Interesse an Chawls und habe dem außergewöhnlichen Leben dort in einigen meiner Filme und Theaterstücke ein Denkmal gesetzt. Scherzhaft wurde mir bereits vor einiger Zeit der Titel »Minister für Chawls« verliehen. Nachdem ich »Ravan & Eddie« gelesen habe, übergebe ich diesen Ehrentitel hochoffiziell an Kiran Nagarkar ...

Sai Paranjpye, The Asian Age

»Ravan & Eddie« zeigt, dass Kiran Nagarkar ein Meister seines Handwerks ist, mit einem untrügerischen Instinkt dafür, wie Geschichten, Fantasien, Träume und Bilder voll von Traurigkeit und Freude in eine kraftvolle Erzählung verwoben werden können. »Ravan & Eddie« ist ein äußerst interessantes, spannend strukturiertes und absolut lesenswertes Buch ...

T. N. Dhar, Hindustan Times

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