« Alle Bücher / « Literatur / « Ray Loriga - Trífero / Stimmen zum Buch
Pressestimmen
Ray Loriga - Trífero
Erzählt wird diese furiose (Liebes-)Geschichte von Ray Loriga, dem enfant terrible der jungen spanischen Literaturszene. In der Manier eines Schelmenromans überzeichnet er die Situation zunächst ins Absurde, streut bewusst ironische Kommentare ein. Die Tragödie jedoch transformiert er lässig in eine Farce, präsentiert so den Helden Trífero mal als Taugenichts, mal als verlorene Seele, mal als schillernde Projektionsfläche der Gesellschaft. Das alles schildert er in einem Erzählstil, wo vor- und zurückgespult, angehalten und in Slowmotion verharrt wird - ganz wie in einem Film. Kein Wunder, denn Ray Loriga ist unter anderem auch Co-Autor von Pedro Almodóvars Kinostreifen »Live flesh«. Ein ziemlich wandlungsfähiger Typ, dieser Ray Loriga.
Schuk, Süddeutsche Zeitung
Was für eine Überraschung! Als ich Ray Lorigas »Trífero« aufschlug, war ich nicht gänzlich unvoreingenommen, in positiver Richtung ... Ich stieß auf geschliffene Wortgebäude. Mein Erstaunen hielt das gesamte Buch über an, schlug aber nicht etwa um in Enttäuschung, sondern steigerte sich eher in Hochachtung davor, welch unterschiedliche Register der Autor derart gekonnt ziehen kann ... Ray Loriga bietet in »Trífero« eine Menge: reichlich Phantasie, stilistische Brillanz, ein bizarres Figurenensemble und vor allem einen sehr eigenen, wunderbar frischen und augenzwinkernden Tonfall ... Ray Loriga ist zweifellos eine, wenn nicht die interessanteste Erscheinung unter den jungen spanischen Autoren.
Anselm Brakhage, TITEL-Magazin
Liebesglück auf dünnem Eis
Für das Ungleichgewicht der Liebe fand Ray Loriga in seinem letzten Roman »Tokio liebt uns nicht mehr« ein martialisches Bild: »Sie ist eine Armee und ich ein unbewaffneter Mann.« Dieses unmissverständliche Kräfteverhältnis bildet auch die Grundlage der höchst unterhaltsamen Liebesgeschichte, die der 34-jährige Spanier in »Trífero« erzählt. Saúl Trífero, Sprössling einer aristokratischen Familie mit verblasstem Glanz lernt die Norwegerin Lotte Happensauer kennen, die einer Dynastie von Eisprinzessinnen entsprang. Lotte, die »Gigantenfrau« , verkörpert für Trífero ein übergroßes Glück, allerdings auf dünnem Eis. Kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes bricht Lotte beim Schlittschuhfahren ein und versinkt.
Haltlos flieht Trífero vor den Bildern seiner Vergangenheit zunächst in die USA, wo er die Bekanntschaft mit Figuren macht, die ihre erkennbaren Vorbilder in Nabokovs Romanen haben: eine »Anti-Lolita« und ein weltentrückter »Pnin« , Professor Jerusalem. Mit diesem Sonderling gelingt dem Scharlatan Trífero ein kurzes Gastspiel im Zirkus der quantentheoretischen Wissenschaft, wohlwissend, »dass der allgemeine Unverstand für Schwindler den denkbar besten Nährboden darstellt« .
Trífero, dem es gelang, an der Seite Lottes »eine bessere Version seiner selbst zu erfinden« , sieht in den Schatten- und Parallelwelten der Quantenphysik einen Spiegel für seine eigene (fehlende) Existenz ohne Kern und letzte Gewissensbisse.
Ray Loriga spielte vor gut einem Jahrzehnt mit seinem Roman »Schlimmer geht's nicht« den Geburtshelfer der jungen spanischen Literatur ... Mit Tokio liebt uns nicht mehr (1999) gelang ihm ein beeindruckendes postromantisches literarisches Endspiel über Liebe, die Erinnerung und den Schmerz.
Diese Themen bilden auch die Klammer für »Trífero« . Stilistisch hat Loriga allerdings Neuland betreten und sich erfolgreich als Satiriker versucht. Erstmals verzichtet er auf den Ich-Erzähler und präsentiert die Husarenstücke Tríferos in origineller Bildersprache und mit der Distanz des ironischen Erzählers ...
»Ich bin ein Atheist, der an die Hölle glaubt« , charakterisiert sich Ray Loriga in einem Interview. Vor allem aber glaubt der spanische Kultautor an die Hölle im täglichen Leben. Trífero, ein naher Verwandter Felix Krulls und »Sklave des Absurden« , leidet ebenso an der Mittelmäßigkeit seiner Umgebung wie an den eigenen beschränkten Mitteln. Während es Professor Jerusalem nicht gelingt, »auf der Höhe seiner Träume zu leben« , bleibt der ständig hakenschlagende Trífero - auch für sich selbst - unfassbar. Darin liegt wohl nicht nur für Loriga das Schicksal des modernen Menschen.
Volker Isfort, Abendzeitung
Im Hinterkopf beschäftigt uns noch »Tokio liebt uns nicht mehr« , Ray Lorigas erst vor kurzem erschienener Science Fiction-Roman über das (Über-)Leben in einem chemischen Zeitalter. Auch sein neuestes Buch »Trífero« soll uns bis zum Ende an die Worte ketten. Der spanische Autor kehrt den fiktiven Zukunftsvisionen diesmal jedoch den Rücken und widmet sich im Hier und Jetzt einem Mann, der fast keine Eigenschaften zu besitzen scheint, dem geheimnisumwobenen Dr. Saúl Trífero ... Mit sprachlicher Gewandtheit und gekonntem Witz spricht Loriga Wahrheiten aus, denen wir uns selbst durchaus bewusst sind, sie aber nicht zu formulieren erwägen. Damit führt er nicht nur die Hauptfigur, sondern auch uns an unsere verborgenen Schattenseiten oder lässt uns fast vergessene Vorlieben neu ins Auge fassen. Wenn jetzt der Frühling erste Knospen treiben lässt, ist das genau der richtige Zeitpunkt, sich mit diesem Roman die Nachmittage gedankenverloren in einem Café zu vertreiben.
Lisutschka, guide berlin
Eigentlich ist Trífero eine Tragödie, denn das Leben des Helden ist vom Scheitern und von einer steten Abwärtsbewegung bestimmt. Doch erzählt ist es als spannende Komödie ohne rührseliges Pathos. Die ausgefallene Bilderwelt und die lakonischen Vergleiche vervollständigen den Lesegenuss.
Petra Faryn, Listen


