Pressestimmen

Nicola Bardola - Schlemm

Knapp, nüchtern, lakonisch erzählt Nicola Bardola das Drama dieses angekündigten Todes. Und rückt gerade dadurch, dass er sich entfernt, seine Leser ganz nah an die Eltern heran. Ihre Entscheidung wird verständlich und die Trauer der Familie beinahe körperlich spürbar. Bardolas Buch spielt in der Schweiz − und trifft in Deutschland einen Nerv ...

Jobst-Ulrich Brand, Focus

In einfachen, zurückhaltenden Sätzen beschreibt der Roman die letzten Tage, für pathetische Abschiedsgesten hat er keine Zeit. Obwohl es in jeder Zeile um Leben und Tod geht, ist daher kein tränenschweres Drama, was der Schweizer Journalist aus Erinnerungssplittern, E-Mails und Buchzitaten zusammensetzt. Fast drehbuchartig beschreibt er Schlüsselmomente der Familie, begleitet die Charaktere wie ein versteckter Kameramann, nie wertend, immer beobachtend und so erklären sich in angerissenen Halbsätzen langsam die Figuren. Gerade die Zurückhaltung des Autors bringt dem Leser die Figuren nahe: Nach ein paar Seiten befindet er sich derart in der Geschichte, dass er beginnt, die Positionen abzuwägen, so als müsste er sich am Ende selbst entscheiden ... Nicola Bardola hat mit »Schlemm« ein trauriges Buch geschrieben, das den Mut hat, den Tod wieder zurück ins Leben zu führen, dorthin wo gelacht wird und manche Würfel noch nicht gefallen sind ...

Laura Weißmüller, Süddeutsche Zeitung

Nicola Bardola nähert sich den Themen Sterbe- und Freitodhilfe in ausgefeilter Form und Sprache (...) Dieser Roman ist wichtiger Zündstoff für eine mündige Gesellschaft, die Ethik und Menschenwürde äußerst ernst nimmt ...

Ute Hoffarth, Nachtkultur, Südwest Fernsehen

Bardola legt einen umfassenden Ideenroman zu einem der zentralsten Lebens- und Literaturthemen vor. 400 Jahre nach Hamlet leistet er eine hochkomplexe (moderne medizinische, gesellschaftliche, philosophische Entwicklungen in Rechnung stellende) Variation des Monologs: »Sein oder nicht sein, das ist die Frage.« (...) Insofern ist Bardolas Erstling nicht nur ein Roman über das Sterben und über den Freitod, sondern auch ein Liebesroman, in dem (wie seit jeher in der Weltliteratur) die Themen Liebe und Tod aufs Engste miteinander verbunden sind - je näher der Todestag der Protagonisten rückt, desto eindringlicher und bewegender ... Auch der Leser neigt dazu, sich innerlich gegen die Teleologie dieses Endes aufzulehnen, auf ein Ereignis zu hoffen, das dieses Ende, wenn schon nicht aufhebt, so vielleicht doch vertagt. Bardolas Roman kommt hier dem Urprinzip aller Tragödie nah: Unabwendbarkeit der Geschehnisse, an deren Ende der Tod steht. Der Roman entfaltet einen unwiderstehlichen Sog des Hinein- und Mitgezogenwerdens. Beginnend mit der lakonischen Art, wie er den Freitod der Eltern ankündigt, bis hin zu der millimetergenauen Behutsamkeit in der Beschreibung der Tage, der Stunden, der Minuten des Sterbens − auch der Gedanken, der Erinnerungen der Sterbenden. Ein einzig verfehltes Wort hätte hier so viel zerstören können. Keine Vergangenheit stiftet hier Distanz. Das Leben und das Sterben werden uns in größter Unmittelbarkeit vor Augen geführt. Bardola, der Meister (wenn nicht Erfinder) des epischen Präsens ...

Joachim Zelter, Stuttgarter Nachrichten

Mit Behutsamkeit und doch unsentimentaler Präzision ist Nicola Bardola diesem letzten Weg seiner Eltern gleichsam nachgegangen. Er sucht zu begreifen, warum Paul und Franca freiwillig aus dem Leben scheiden, warum sie Schlemm angesagt haben, dieses höchste, letzte Ziel, als Begriff aus dem Bridge entlehnt. In zum Teil − man kann es kaum anders sagen − »sterbensschönen« Szenen schildert er dieses Lebewohl, entwickelt es für den Außenstehenden aber auch als logisch nachvollziehbaren, praktischen Prozess ... Ein großartiges Buch um das Tabuthema Tod ...

Thomas Lochte, Starnberger Merkur

Liebevoll, aber auch ratlos verabschieden sich die Eheleute zum Schluss voneinander. Der Roman ist klar montiert, der Ton eher sachlich. Bardola beschreibt authentisch die Verwerfungen, die mit der Entscheidung für einen geplanten Tod in einer Familie ausgelöst werden ...

Der Spiegel

Das Buch passt genau in die aktuelle Diskussion um Sterbehilfe. Aber es ist kein Ratgeber, kein Sachbuch, sondern ein Roman, der mich sehr gefesselt hat, aufgeregt und angeregt. Es beginnt höchst dramatisch schon auf der ersten Seite ...

Barbara Klett, NDR 1 Radio

Nicola Bardola hat auf diesen 200 Seiten die selbst gewählte Aufgabe übernommen, die Position der Eltern zu erklären. Vor allem aber hat er Einblicke in das Dazwischen gegeben, in die Gefühle und Wahrheiten, die sich hinter den großen Argumenten verstecken ...

Hilke Lorenz, Sonntag Aktuell

Nicola Bardola schafft in seinem Roman ein Geflecht aus unterschiedlichen Ansichten und Gefühlen − aus Vergangenheit und Gegenwart. »Freiheit zum Freitod als Menschenrecht − ist das zu viel verlangt?«, fragt sich Vater Paul. Vorsichtig reißt der Autor die Tabuthemen Sterbehilfe und Freitod an und hinterlässt die Leser nachdenklich ...

Carmen Scharte, dpa

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