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Pressestimmen
Gerd Holzheimer - Tagmeiers Mütze
Holzheimers poetischer Kosmos baut seit »Niederwahna« auf die Poesie der Neu- und Umbenennung. Man kennt sich nicht mehr recht aus und schaut alles ganz neu und vor allem anders an. Gastwirtschaften, die Namen tragen wie »Zum Heiligen Sancto Spirito« oder »Lungenstüberl«, dort waren wir noch nie und doch kommen sie uns höchst bekannt vor. Flüsse und Bäche der Gegend tragen Namen wie »Lieschen Müller« oder schlicht »Krümmung«, an ihren Ufern treffen sich ganz märchenhaft Paare, die heißen dann Johannes und Johanna, und das Dorf, in dem alles spielt, nennt sich schlicht »das kleine Dorf an der Krümmung«.
Tagmeier ist der Chronist dieses Dorfes. Als etwas dilettierender Schüler fernöstlicher Weisheiten (Buddhismus) und exzessiver Weißbiertrinker fehlt ihm allerdings eine entscheidende Voraussetzung, die eigentlich jeder Chronist mitbringen sollte: der Sinn für Chronologie.
Es geht um eine vita contemplativa, wie man sie normalerweise nur erreicht, wenn man an einem x-beliebigen Werktagnachmittag sich irgendwo in einem Dorfwirtsgarten unter Kastanienbäumen aus dem gewöhnlichen Erwerbsleben ausklinkt. So auch unser Chronist. Auch ihm geht's um Tagträume, ums Zum-Fenster-Hinausschauen und Beobachten einer Amsel. Schrullige Mitbewohner des Dorfes, »komische Käuze«, sind ihm Anlass genug, über das Leben im allgemeinen und seine vielfältigsten Variationen im besonderen zu philosophieren. »Unglaubliches geschieht um uns, in uns, vor uns.« Man braucht nur einen besonderen Blick dafür. Und um den einzuüben, gibt es eigentlich kaum ein besseres Handbuch als diesen Dorfatlas.
Bernhard Setzwein, Lichtung


