Pressestimmen

Günter Herburger - Schlaf und Strecke

Herrlich schwingende, leichtfüßige Prosa

Egal, wo dieser Kosmopolit gerade am Start ist: Immer rennt er, um den eigenen Horizont aufzureißen und zu öffnen für »neue Einblicke und Vorstellungen«. Im Rhythmus des Laufschritts kommt sein Sensorium extrem auf Touren. Hier präsentiert sich ein austrainierter Beobachtungsathlet, dessen Aufmerksamkeit nicht nur den Leibesstrapazen gilt, sondern auch und vor allem der immensen Erscheinungsvielfalt am Rande der Strecke. Im Vorüberlaufen sieht er, was andere versäumen. Durchlässig noch für die abseitigsten Natur- und Zivilisationseindrücke, weiß der Langstreckler am Ende mehr über Land und Leute zu erzählen als so mancher Cicerone ...
Über Tierwelt und Botanik kann der Marathondichter dann ebenso erhellend meditieren wie über die Johanniter auf Malta, die Aporien der Topologie oder Becketts Faible für Fahrräder.
So protokolliert diese herrlich schwingende, leichtfüßig daherkommende Laufprosa immer auch die Läufe durch den Kopf, und zwar durch einen extrem gebildeten; mal im Ton olympischer Heiterkeit, mal sachlich, mal surreal. Die Kurzformel dafür sollte Herburger sich patentieren lassen: »Bann plus Vielfalt gleich Poesie«.

Michael Kohtes, DIE ZEIT

Bann plus Vielfalt gleich Poesie

Der versierte Kosmopolit und Marathon-Dichter Herburger baut mit gleichsam kindlicher Verspieltheit; groteskem Witz und einer bildersatten, einprägsam rhythmisierten Sprache einen Sonder-Kosmos; für ihn setzt er diese Gleichung: »Bann plus Vielfalt gleich Poesie«. Schreiben ist für den gebürtigen Allgäuer eine Art »Alternativleben«. Ein Kopf-Reisen-Buch mit erkenntnisreichen Stützpunkten. Eine Körper-Test-Fibel mit Einsichten »als würden Augen riechen, Ellenbogen sehen, Knie schmecken« - samt einer wundervollen Entdeckung: Hinter Müdigkeit und Schwäche vervielfältigen sich neue Kräfte. Zusammen ein Lese-Hochgenuss.

Heinz Neidel , Nürnberger Nachrichten

Mit »Schlaf und Strecke« hat Herburger – der 72-jährige Schriftsteller, Dichter, Filmemacher, Hörspielautor, der in den 60er Jahren auf Einladung von Dieter Wellershoff Zugang zur Gruppe 74 bekam – jetzt seine literarische Trilogie über das Langstreckenlaufen abgeschlossen. Wie in den beiden Vorgängern kommt das Laufen zwar auch in »Schlaf und Strecke« vor, in fast jeder der 32 Erzählungen des Buches. Laufen an sich ist aber nur die Folie für Herburgers tumultuöse Betrachtungen der vorbeiziehenden Landschaften und Menschen, für seine halluzinogenen Abenteuer-Reisen zu den eigenen Abgründen und Tagestrips ins wilde Ego-Phantasialand ... Sein Schreiben ist gelegentlich von abrupten Themenwechseln gekennzeichnet. Aber das hat System, bezeichnet er doch Geschichten selbst als »Erinnerungsgemetzel«. Muss man selbst dem langen Lauf verfallen sein, um Herburgers Literatur zu mögen? Sicher, es hilft, es ist aber nicht die Voraussetzung für einen Zugang. Es ist ein bisschen wie bei Charles Bukowski. Herburger ist genau so besessen vom Rennen wie Bukowski vom Saufen: Für beide ist ihre Sucht aber nicht Selbstzweck, sondern Medium, um eigentümliche Geschichten zu erzählen.

Markus Grabitz, Rhein-Ahr-Rundschau

Nach »Lauf und Wahn« (1988) und »Traum und Bahn« (1994) ist »Schlaf und Strecke« das dritte Buch, in dem der 1932 in Isny im Allgäu geborene Schriftsteller Günter Herburger ebenso deutlich autobiographisch wie poetisch von seinen Langstreckenläufen berichtet ... Herburger ist, gerade in seinen läuferischen Stücken, ein im Wortsinn eigenartiger Schriftsteller: Humor, kombiniert mit sprachlicher Sorgfalt, genauem physiologischen Blick und Hang zum radikal Absurden, machen ihn zur ebenso unmöglichen wie überraschenden Figur eines »positiven Kafka«. Literatur ist »Laufen mit geschlossenen Augen« (in denen, wie im Traum, alles zusammen findet, was nur bedingt zusammen gehört). Was Herburger als Poetik des Gedichts formuliert, gilt ähnlich für seine Prosa: »Wenn Worte, die nicht zueinander passen, trotzdem, als hätten sie in der Geschichte träumerischer Konstruktion schon lange aufeinander gewartet, absichtslos zusammengehören und eine Grenze der Verständlichkeit, die es bisher gab, durchtrennen, sodass ein neuer duftender Entwurf entsteht« ...
Laufen ist für Herburger allerhand: eine Existenzform, in der man zehn Kilometer lang schlafen kann und sich dennoch bewegt, oder ganz simpel aufregenderes Reisen, aber auch eine Art von Flucht, ein Kontakt mit der Welt, wie es ihn nur in fremden Gegenden gibt, und nicht zuletzt eine beiläufige Form der Kulturkritik, die sich nicht aufspielt, der jede Schwere fehlt, die im Vorbeigehen ein paar Giftpfeile losschickt, ohne sich auf eine Position festlegen zu lassen.

Hans-Peter Kunisch, Süddeutsche Zeitung

Wieder lässt uns Herburger teilhaben am Stress und an den Strapazen seiner Läufe, für die er weite Reisen unternimmt, z.B. nach Riga, La Réunion oder in den Sinai. Herburgers Läufe sind mehr denn je Kämpfe gegen die Schwäche und die Altersmüdigkeit seines Körpers, aber auch Grenzerfahrungen, die ihn hellsichtig machen für Menschen und Natur um ihn herum und die seine Fantasie beflügeln. Assoziativ verknüpfte Ausflüge in die Literatur- und Kulturgeschichte ergänzen dieses hochpoetische und anregend zu lesende Tagebuch eines Langstreckenläufers.

ekz

Nichts ist schöner als positiv überrascht zu werden. Zum Beispiel, wenn irgendeine durchschnittlich schlecht besuchte Lesung plötzlich einen Zauber bekommt. So kürzlich in der Romanfabrik, wo der Schriftsteller Günter Herburger ... aus seinem großartigen Buch »Schlaf und Strecke« vorlas. Herburger ist nebenbei Langstreckenläufer und ein faszinierender Mann. In Mauretanien lief er 325 Kilometer am Stück und orientierte sich an den Sternen. Warum weiß das niemand?

Christoph Schröder, Journal Frankfurt

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Leserstimmen

Günter Herburger - Schlaf und Strecke

Ein großartiges Buch, voller Weisheit und schonungslosem, zugleich dezent-feinem Humor. Die Art, wie Günter Herburger sich selbst, die Anderen und die Welt beobachtet und beschreibt, ist einzigartig.



Stefan Schacht, Berlin

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