Pressestimmen

Günter Herburger - Eine fliegende Festung

Seine Gedichte, hat er einmal gesagt, seien wie vollgestopfte Schubladen. Wer dabei an Kraut und Rüben denkt oder an galoppierende Gedankenflucht, liegt durchaus nicht falsch. Auch in seinem neuen Gedichtband bringt Günter Herburger zusammen, was man sonst nicht in einem Atemzug nennt: die ländliche Lebenswelt seiner Allgäuer Heimat und die ferne Mongolei, das Alltägliche und das Phantastische. Fabelwesen flattern auf, surrealistische Kreaturen, halb Tier, halb Mensch - doch Herburgers poetische Landschaften sind, wie seine ausufernde Prosa, stets auch verstörend genaue Illustrationen peinigender Ängste ... Wie Träume enden auch Herburgers Gedichte manchmal ganz abrupt, als wollten sie weitergeträumt sein vom Leser. Der findet hier keine exquisiten Metaphern, keine aparten Reime, überhaupt wenig von dem, was zwischen Gernhardt und Grünbein derzeit als Lyrik firmiert. Aber welcher Reichtum der Einfälle, welch bizarre Phantastik - und alles auf Touren gebracht vom Sprachrhythmus und dem kühnen Tempo dieser hoch aufsteigenden Gedankenflüge!

Holger Schlodder, NDR

Die wilde Phantastik, die schon immer als Antriebskraft der Herburgerschen Texte fungierte, hat sich in diesen neuen Gedichten weitere Freiheiten erkämpft. Die Imaginationslust des Autors springt wieder mal über alle Versgrenzen und psychologischen Plausibilitäten hinweg und erschafft einen Raum der frei schweifenden Assoziationen und kryptowissenschaftlichen Exkurse, in dem kein archimedischer Punkt mehr auszumachen ist.

Michael Braun, Freitag

Es ist ruhiger geworden um Günter Herburger, der seinen siebzigsten Geburtstag feiert. Doch hat er sein Lauftraining intensiviert, die Strecken werden immer länger. Demnächst will er in Mauretanien bei einem Extremlauf über 325 Kilometer an den Start gehen. Literarisch hält er sich derzeit an die nicht minder anstrengende Kurzstrecke der Lyrik. Seine Gedichte, wie sie der neue Band »Eine fliegende Festung« versammelt, schließen in ihren freien Rhythmen die Zeiten und Wahrnehmungsfelder kurz. Sie verknüpfen Gegenwärtiges mit historischem Material, Alltagssplitter mit Philosophischem, verweben Künstlerviten und Sprachbruchstücke zu kleinen »Heldengedichten«. Und immer wieder stößt der Leser auf ganz feine Bilder, die vielleicht zu jener Art von Zittergras gehören, die das letzte Gedicht besingt:
Während Dürre, wenn die Steppen brennen, / entflammt es, rollt sich maurisch ein / und wird zu einer kleinen Festung in der Erde, / an deren Fasern eifersüchtig Raupen nagen.

Nico Bleutge, Stuttgarter Zeitung

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