Pressestimmen
Wer sich auf Günter Herburger einlässt, sollte sich auf eine ziemlich anspruchsvolle, lange, aber keineswegs langweilige Unternehmung gefasst machen. Denn der Schriftsteller sieht sich als einen Nachfahren des Weltreisenden Alexander von Humboldt, den er auch zum Titelhelden seiner Sammlung von »Reisenovellen« gemacht hat. Allerdings geht es dem Läufer, der in vier Tagen den Mont Blanc umrundet, nicht um Siege, sondern um Erfahrungen. Wie seinem Vorbild Humboldt gelingt es Herburger, Entfernungen zu überbrücken und Gegensätze in einem einzigen Bild zu vereinen. Der naturgemäß kurze Atem des Läufers verhindert keineswegs den Blick auf die Details am Wegesrand. Prägnant aufgespießt mit bayrisch-barocker Fabulierlust, verraten Herburgers Beobachtungen im Vorüberlaufen mehr über Land und Leute als manch weitschweifiger Reisebericht.
Heribert Hoven, literaturkritik.de
Man hat Herburger oft mangelnde Erzählökonomie und wildes Fabulieren vorgehalten. Weil sein Erzähler jede psychologische Folgerichtigkeit auflöst und schroffe Überblendungen von Realem und Irrealem bevorzugt, scheint sich jede sinnhafte Kohärenz des Textes zu verflüchtigen. In Humboldt finden sich gleichwohl immer wieder famose Perioden, in denen dem Erzähler eine spannungsreiche Balance zwischen sinnlicher Wahrnehmung und wundersamer Phantasmagorie gelingt.
Michael Braun, Basler Zeitung
Der Titel ist ein Verwirrspiel. Zunächst. »Humboldt«? Nur ein schmales Kapitel beschäftigt sich mit dem Größten seiner Zeit neben Goethe.
»Reise-Novellen«? Es sind Bild-Text-Bild-Geschichten und eine Kombination aus beiden. Während der Lektüre freilich spürt der Leser, dass hier der Kosmos des Universalgelehrten den Kosmos des ersten Literatur-Langstreckenläufers streift. Ein Autor wurde von der Entdeckerlust seines Schutzpatrons infiziert ... Am Anfang dieses erlesen gestalteten Bandes flanieren Versatzstücke des Alexander von Humboldt (er lebte 1769 bis 1859) mit Jetztzeit-Bildern historischer Orte ... Es folgen vier Tage im Montblanc-Massiv - die Strecke länger als ein Marathon, über zwei Pässe hinweg. In seinen Klettersteigen gibt es keine Überholmöglichkeiten für Sprinter ... Dann in Mauretanien: Dort hat es angeblich 15 Jahre nicht mehr geregnet. Bei dieser Wüstendurchquerung weist das Kreuz des Südens den Weg durch die Nächte ... Am Schluss steht die Begegnung mit dem höchsten Kirchturm der Welt. Wer das Ulmer Münster kletternd erobern möchte, benötigt eine Tarnkappe, sonst rückt die Feuerwehr an ...
Herburger schreibt, wie er läuft. Seine Prosa wirkt wie kreuz und quer geschichtet, mutet oft montiert und sprunghaft an.
Seine letzten Bücher lesen, das heißt, sich einzulassen auf das Reisen mit offenen Zielen und kaum kalkulierter Dauer.
Heinz Neidel , Nürnberger Nachrichten
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