Pressestimmen
Was sind das für Bilder, die manchmal aussehen wie Urlaubsphotos, dann aber wieder wie Kunst? Und was für Texte, zwei-, drei- oder zehnsätzig? Einmal so leicht wie aus einem Reiseprospekt, dann wieder von der Schwere magischer Wortmeteoriten, die aus einer Welt kommen, in denen es keine Schwerkraft gibt und keine Pflegeversicherung. Günter Herburger sagt einleitend: »Manchmal, wenn ich die Augen schließe, trotzdem aber weitergehe, überkommt mich ein Vertrauen, als gebe es keine Unordnung, sondern überall entstünden insgeheim Beziehungen.« So ist es. Wir schauen und lesen und schauen und schließen die Augen und lesen weiter und versinken ein Buch lang in einer Welt, die merkwürdig leuchtet und fremd ist, vertraut, rätselhaft und sternenklar.
Klaus Konjetzky, Süddeutsche Zeitung
Aus Herburgers Expeditionen ins Unbekannte sind wunderbare Fluchtbücher entstanden, zuletzt die wuchernden Phantasmagorien des Bandes »Traum und Bahn« (1994) und die phantastischen Epiphanien im Foto-Text-Buch »Das Glück« (1994), mit dem Herburger die Gattung des anspruchsvollen Mikro-Foto-Romans begründet hat. Nun ist erneut das Erscheinen eines zauberhaften Reise-Diariums anzuzeigen, in dem uns Herburger durch seine barocken Traumarchitekturen und Phantasielabyrinthe führt: »Die Liebe - Eine Reise durch Wohl und Wehe«. Obwohl das Buch eine gefährlich überstrapazierte Vokabel im Titel führt, enthält es kein Gran Sentimentalität, sondern versammelt viele schöne Augenblicke der wahren Empfindung ... Die fünf Kapitel des liebevoll gestalteten Buches orientieren sich an geographischen Fluchtpunkten, die der Autor aufgesucht hat: das kleine Atlasgebirge in Nordafrika, Cornwall und Land's End im äußersten Südwesten Englands, Palermo und zuletzt das Allgäu, die Kindheitslandschaft des Autors, in der noch immer die frühen Schmerzen, aber auch die unabgegoltenen Wünsche deponiert sind.
Michael Braun, Basler Zeitung
Seit je schreibt der Autor in arabeskenartig ausufernder Manier an einem poetischen Gespinst, das - gestützt von naturwissenschaftlicher Akribie und gesellschaftlicher Umsicht - Leben abbildet, sich dabei motivisch vom Hundertsten ins Tausendste zu verflüchtigen scheint, den Leser schließlich gleichermaßen verwirrt wie bereichert entlässt. »Die unablässig fortschreitende Gegenwart«, so hat Herburger seine Verfahrensweise beschrieben, »hält mitunter inne und begutachtet Schäden und Übertreibungen, die in der Vergangenheit begangen wurden. Dabei entstehen Geschichten, deren Glaubwürdigkeit darin besteht, dass wir sie, wären wir bedenkenloser gewesen, selbst gern erlebt hätten.« ... Durch halb Cornwall folgen wir zwei turtelnden Tieren, werden Zeuge einer heftigen gleichgeschlechtlichen Liaison zwischen Fanny und Sue, einer Gans und einem vietnamesischen Hängebauchschwein: »Blindlings umarmten sie sich, ohne auf Unterschiede zu achten. Laut wurden sie nicht, eher inbrünstig bis zur Bewegungslosigkeit, wobei sie sich ab und zu ein entladendes Zittern gestatteten.« ... Günter Herburger ist es aber auch um die scheinbar banalen Dinge zu tun: Verkehrsschilder, Mähmaschinen und Vogelscheuchen gibt er Stimme, eine Geschichte, unablässig insgeheimen Beziehungen schreibend auf der Spur.
Tilman Urbach, Neue Zürcher Zeitung
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